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Klarna prüft bald Ihre Finanzen – was das bedeutet

2026-11-06 20:41:00 / Ratgeber & News

Wer bei Klarna oder PayPal auf Rechnung kauft, muss künftig eine Bonitätsprüfung bestehen. Was die neue EU-Richtlinie ab November bedeutet und was sich für Kunden ändert.

Kunden können den Check laut Klarna bereits jetzt in der App erledigen. Das soll nur wenige Minuten dauern und den nächsten Einkauf erleichtern. Doch was steckt dahinter? Und was bedeutet das für Millionen Menschen, die ihre Online-Einkäufe gerne erst später bezahlen?

1. Was besagt die neue EU-Richtlinie?

Die EU will Verbraucher besser vor Schulden schützen. Dafür wird das Verbraucherkreditrecht ausgeweitet. Grundlage ist die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II, Richtlinie EU 2023/2225). Wie die Bundesregierung erklärt, fallen künftig auch viele zinsfreie Kredite, Kleinkredite unter 200 Euro und kurzfristige Finanzierungen unter die strengeren Verbraucherschutzvorschriften.

Das betrifft besonders sogenannte „Buy now, pay later“-Angebote, bei denen Sie heute einkaufen, aber erst später bezahlen.

Anbieter müssen vor der Kreditvergabe prüfen, ob Kunden sich die Rückzahlung voraussichtlich leisten können. Außerdem gelten zusätzliche Informationspflichten.

2. Ab wann gelten die neuen Regeln?

Stichtag ist der 20. November 2026. Ab diesem Tag gelten die neuen Vorschriften grundsätzlich für neu abgeschlossene Verbraucherkreditverträge. Das bestätigt auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln.

Wer bereits vorher einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat, fällt grundsätzlich noch unter die bisherigen Regeln. Für bestimmte länger laufende Kreditverhältnisse gibt es allerdings Ausnahmen.

3. Welche Zahlungsanbieter und Zahlungsarten sind betroffen?

Nicht nur Klarna muss sich auf die neuen Regeln einstellen. Klarna nennt in seinen offiziellen Informationen unter anderem die Angebote „In 30 Tagen bezahlen“ und „In 3 Teilen bezahlen“.

Auch PayPal bestätigt die Umstellung. Betroffen sind in Deutschland die Zahlungsarten „Bezahlung nach 30 Tagen“, „Ratenzahlung“ und „Ratenzahlung To Go“.

Grundsätzlich können auch andere Anbieter betroffen sein, wenn sie vergleichbare Finanzierungen anbieten.

Wichtig: Wer direkt per Lastschrift oder mit seinem PayPal-Guthaben bezahlt, nimmt damit nicht automatisch einen Kredit auf. Solche Sofortzahlungen fallen deshalb nicht allein wegen der neuen Richtlinie unter die Kreditprüfung.

4. Welche Informationen muss ich über meine Finanzen offenlegen?

Laut der EU-Verbraucherkreditrichtlinie müssen Anbieter bei der Kreditwürdigkeitsprüfung relevante Informationen über Einkommen, Ausgaben und weitere finanzielle Verpflichtungen berücksichtigen.

Dazu können beispielsweise regelmäßige Lebenshaltungskosten, bestehende Kredite oder andere Verbindlichkeiten gehören.

Aber keine Sorge: Nicht jeder kleine Einkauf erfordert automatisch eine umfassende Finanzprüfung. Die Richtlinie schreibt ausdrücklich vor, dass der Umfang der Prüfung zur Höhe, Laufzeit und zum Risiko des Kredits passen muss. Welche Angaben im Einzelfall tatsächlich erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Anbieter und Zahlungsmodell ab.

Klarna bietet seinen Kunden bereits jetzt einen Budgetcheck in der App an, der laut der aktuellen Kunden-E-Mail nur wenige Minuten dauern soll.

5. Ist der Klarna-Budgetcheck jetzt Pflicht?

Hier muss man unterscheiden. Die Kreditwürdigkeitsprüfung ist künftig für die betroffenen Finanzierungen gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alle Kunden schon vor dem 20. November den angebotenen Budgetcheck durchführen müssen.

Klarna wirbt in seiner E-Mail damit, dass Kunden den Check bereits vorab erledigen können und dadurch beim nächsten Bezahlvorgang einen Schritt voraus seien.

6. Dürfen Klarna und PayPal einfach auf mein Bankkonto zugreifen?

Nein, die neuen EU-Regeln bedeuten nicht, dass Zahlungsanbieter automatisch Zugriff auf sämtliche Kontobewegungen erhalten.

Artikel 18 der Verbraucherkreditrichtlinie erlaubt die Verwendung relevanter finanzieller Informationen, verlangt aber auch, dass die Datenerhebung notwendig und verhältnismäßig bleibt. Ein pauschaler Kontozugriff bei jedem Einkauf ist nicht vorgeschrieben.

Wie Anbieter die benötigten Informationen erheben und welche zusätzlichen Prüfverfahren sie gegebenenfalls anbieten, hängt vom jeweiligen Dienst ab.

7. Wird jetzt bei jedem Einkauf die Schufa geprüft?

Nicht zwangsläufig. Auch wenn künftig bei mehr Zahlungsmodellen eine Kreditwürdigkeitsprüfung vorgeschrieben ist, bedeutet das nicht automatisch eine Schufa-Abfrage bei jedem Einkauf.

Die EU-Richtlinie erlaubt unterschiedliche relevante Informationsquellen. Dazu können Angaben der Kunden, vorhandene Daten des Anbieters oder gegebenenfalls Datenbanken gehören.

PayPal erklärt außerdem, dass das Unternehmen bereits heute Bonitätsprüfungen für seine „Später bezahlen“-Angebote durchführt – auch bei kurzfristigen und zinsfreien Varianten. Ob eine Schufa-Abfrage erfolgt und welche Auswirkungen sie haben kann, hängt vom konkreten Prüfverfahren ab.

8. Was passiert, wenn ich die Bonitätsprüfung nicht bestehe?

Dann kann es passieren, dass Klarna oder PayPal Ihnen die gewünschte spätere Zahlung oder Ratenzahlung nicht anbieten. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie überhaupt nicht mehr online einkaufen dürfen. Andere Zahlungsmethoden können weiterhin zur Verfügung stehen.

Außerdem gibt es zusätzliche Verbraucherrechte: Wie die Bundesregierung erklärt, besteht unter den gesetzlichen Voraussetzungen künftig das Recht auf eine menschliche Überprüfung, wenn die Kreditwürdigkeitsprüfung auf einer automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beruht.

9. Muss ich jetzt auch beim normalen Rechnungskauf meine Finanzen offenlegen?

Nein, nicht jeder Rechnungskauf ist automatisch betroffen. Wie die IHK Köln erklärt, gibt es Ausnahmen für bestimmte kostenlose Zahlungsaufschübe, die der Händler selbst gewährt.

Dafür müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Unter anderem darf kein externer Anbieter die Finanzierung übernehmen, und die Zahlungsfrist darf grundsätzlich höchstens 50 Tage betragen.

Für bestimmte große Online-Anbieter gelten strengere Voraussetzungen und eine kürzere Frist von maximal 14 Tagen. Entscheidend ist deshalb, wer euch den Zahlungsaufschub gewährt und wie das Angebot ausgestaltet ist.

10. Was sollte ich als Klarna- oder PayPal-Kunde jetzt tun?

Erst einmal müssen Sie nicht in Panik geraten. Wer die entsprechenden Bezahlmethoden nutzt, sollte sich aber einen Überblick über seine laufenden Rechnungen, Raten und monatlichen Ausgaben verschaffen.

Die Verbraucherzentrale warnt schon länger davor, bei „Buy now, pay later“ den Überblick über offene Zahlungen zu verlieren. Wer mehrere kleine Einkäufe aufschiebt, kann schnell höhere Schulden anhäufen.

Prüfen Sie deshalb vor jedem Kauf, ob Sie sich die spätere Zahlung wirklich leisten können, und achten Sie auf mögliche Zinsen, Gebühren und Zahlungsfristen.

Wenn Sie eine Aufforderung zum Budgetcheck erhalten, können Sie diese direkt in der offiziellen Klarna-App überprüfen.

Was sich nicht ändert: Auch wenn Sie einen Einkauf erst später zahlen wollen – das Geld muss grundsätzlich vorhanden sein.

Quelle: Stern (https://www.stern.de/lifestyle/leben/klarna-und-paypal--neue-finanzpruefung-ab-november---was-das-bedeutet-38505140.html)


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